Ettmannsdorfer Ansichten
  Gasthaus zur Schwanne
 

                                               Das 20. Jahrhundert.

                  

Kreszenz Weingärtner, erst 48 Jahre alt, war von einer starken Gicht befallen, konnte nicht mehr schreiben und auch kaum mehr das Haus verlassen. So bemühte sich der königliche Notar Anton Seitz am 24. September 1902 nach Ettmannsdorf, um dort in einem oberen Zimmer des Schwannenwirtsanwesen einen Übergabevertrag auszufertigen. In die Fußstapfen als Gast- und Landwirt trat deren Neffe Johann Baptist Weingärtner mit seiner minderjährigen Braut Barbara Meiler, einer Gastwirtstochter aus Haselbach.

Laut dem Vertragswerk Übernahmen sie das Wohnhaus mit Gastzimmer, Remisse, Stall, Stadel, Schweinestall, Kegelbahn und Hofraum, einschließlich aller Äcker und Wiesen, allem lebenden und toten Inventar, ebenso die noch stehende Ernte auf den Feldern und die gesamte Hauseinrichtung für 10.000 Mark. Die Übernehmer mußten den Geldbetrag nicht direkt leisten, sondern eine Schuld über 5.000 Mark, die auf dem Anwesen lastete, ablösen und für den Restbetrag lebenslängliche Austragleistungen erbringen. Der Umfang der Deputate wurde detailliert aufgezählt, unter anderem, daß für die Übergeber eine Austragswohnung im Küchenzimmer zu ebener Erde und im hinteren Zimmer oben beim Tanzboden eingeräumt wurde. Für den Fall der Unverträglichkeit vereinbarten die Vertragsparteien, daß die Leistungen in Form einer Rente zu erbringen sind.

In der Ehe von Johann Baptist und Barbara wurden acht Kinder geboren, jedoch sind vier davon bereits im Säuglingsalter
verstorben. Im 1. Weltkrieg mußte er von 1915 bis 1917 in Belgien Dienst leisten, ehe er wieder in die Heimat entlassen wurde. Im Jahre 1928 hielt der Tod binnen eines Monats zweimal Einzug in die Schwannenwirtschaft. Im April starb 82jährig der Austrägler Anton Weingärtner und im Mai 57jährig der Wirt Johann Baptist Weingärtner.

Ein neues Geschlecht zieht auf

Die Gastwirtschaft ging nun in ein Frauenregiment über. Die Witwe Barbara Weingärtner und ihre vier Töchter mußten alleine für Haus, Hof und Vieh sorgen. Nach und nach heirateten die Töchter. Die Schwiegersöhne gingen allerdings anderen Berufen nach. Erst 1937 kam mit Franz Xaver Scheuerer, einem Landwirt aus Eiselberg bei Kallmünz, der ersehnte Schwiegersohn ins Haus. Die Tochter Theresia hatte ihn am 23. November geheiratet. Doch Barbara Weingärtner entzog sich dem alten Brauch und überschrieb das Anwesen nicht zur Hochzeit der jüngeren Generation. Für weitere 24 Jahre sollte sie die Zügel fest in Händen halten. 1936 zählte sie zu den Gründungsmitgliedern für den Gartenbau- und Ortsverschönerungsverein Ettmannsdorf.

Der 2. Weltkrieg mit all seinen Drangsalen wirkte ebenfalls in Ettmannsdorf. Im August 1939 glich der Ort einem Heerlager. Viele Männer erhielten die Gestellungsbefehle zu einer Wehrübung. In Wirklichkeit aber handelte es sich um das Anlaufen der
Mobilmachung. Die 2. Batterie der Abteilung I/231 wurde in Ettmannsdorf aufgestellt. In der Gastwirtschaft Weingärtner war
im Saal ein Strohlager für die Mannschaften eingerichtet. Die Hausherrin ließ es sich nicht nehmen die Soldaten mit Schweinebraten und Knödel zu bewirten, wobei für die Knödel ein riesiger Wurstkessel benötigt wurde. Die Schreibstube der
Batterie hatte im neuen Hofmarksschloß, das zwischenzeitlich zum Kloster der Frauen zum Guten Hirten geworden war, Räume bezogen. Der obere Stock des benachbarten Gasthofes Vilsmeier diente als Lagerort für Kisten in denen sich Uniformen samt Leibwäsche und Stiefeln befanden. Im alten Hofmarkschloß lagerten Karabiner, Seitengewehre und Handfeuerwaffen.

Das Kloster diente später als Lazarett. Viele verwundete Soldaten suchten im Wirtshaus Zerstreuung vom Krankenhausalltag. Das Haus selbst erlebte Zwangseinquartierungen dreier rumänischer Familien. In den Jahren 1942 bis 1944 bezog der Kindergarten den Tanzsaal. Die örtliche Bevölkerung suchte so einem geregelten Leben nachzugehen. Nach dem Auszug des Kindergartens mietete die Firma AEG den Raum. Bis 1945 unterhielt sie hier eine Außenstelle des Schwanwerks Elektro AEG, das in der Naabhalle Schwandorf untergebracht war.

Das anschließende Wirtschaftwunder in den 50ziger Jahren hatte keinen Einfluß auf das Schwannenwirtshaus. Die finanzielle
Situation verschlechterte sich und der erst erworbenen Teil des Hammerackers mußte verkauft und für die Bebauung freigegeben werden.

In den letzten Kriegstagen wurde die Stadt Schwandorf ein Opfer eines Bombenhagels. Unzählige Häuser waren zerstört oder
beschädigt. Danach begann der Wiederaufbau. Hierzu mußte Baumaterial besorgt werden. 1946 eröffnete die Schwandorfer
Baufirma Fröhler eine Sandgrube auf den Äckern der Schwannenwirtschaft. Diese Grube lag an der Grenze zur Gemeinde
Dachelhofen in der Flur Schafacker. Das Beutegut konnte allerdings nur etwa zwei Meter tief abgebaut werden, da das
Grundwasser eindrang. Die Baufirma Fischer beutete den Rest aus, so daß zwei Weiher entstanden. Mit Bauschutt vom Aluminiumwerk und Unrat verfüllte man einen Weiher. 1969 wurde die Flur Schafacker in die Gemeinde Dachelhofen umgegliedert und parzelliert. Die Schwannenwirtin erhielt für das Ausbeuterecht einen neuen Stadl bei der Gastwirtschaft.

1961 brach man die Gewölbedecke vom Hauskeller ab und errichtete darüber einen kleinen Anbau. Dieser ist vom Treppenhaus aus zugänglich und liegt ein halbes Stockwerk höher als die Lokalitäten. Darin befinden sich bis heute die WC-Anlagen zur Gaststube.

Am 15. September 1961 erfolgte die Übergabe des Anwesens an die Tochter Theresia Scheuerer. Zum Wohnhaus gehörig wurde erneut der Tanzsaal und die Kegelbahn erwähnt. Der Backofen hatte seine Aufgabe bereits Ende der 20iger Jahre verloren. Die Übergeberin behielt sich wiederum Austragsleistungen vor. Als Besonderheit ist die gemeinschaftliche Benützung des Kühlschranks zu erwähnen. Zudem vereinbarte man den Rückbehalt des verbliebenen baureifen Rests des Hammerackers. Offensichtlich wurde auch die weitere Erbfolge des Besitzes besprochen. Denn die beiden einst nicht zur Erbfolge berufenen Enkelkinder der Übergeberin bedachte man mit je einem Bauplatz im Gries.

Nach nur drei Jahren starb 1964 Franz Xaver Scheuerer, der Ehemann von Theresia. Das Frauenregiment konnte seine Fortsetzung finden. Im Laufe der Jahre ist der Sohn Johann, der künftige Erbe von Theresia Scheuerer, in die Rolle als Gastwirt
hineingewachsen. Eine Vielzahl kleiner Umbauten und Modernisierungen prägten die nächsten Jahre. Bei diesen
Baumaßnahmen wurde auch eine kleine Hausgrotte im Eingangsbereich eingemauert. 1980 erfolgte der Abbruch einer Zwischenmauer. Dabei stieß man auf einen Eingangsbogen, der dem 17. Jahrhundert zugeordnet wurde. Aus der selben Zeit scheinen auch die Torsostücke eines männlichen Standbildes zu stammen, von dem Teile des Körpers, eines Armes und Oberschenkels festgestellt wurden. Diese Teile dienten als Mauerfüllmaterial. Bei Reparaturen am Deckengebälk der Gaststube legten die Arbeiter den bereits genannten Kiefernholzbalken von 1780 frei.

Um die Attraktivität der Gastwirtschaft zu steigern und um Feriengäste sowie Einheimischen Erholung mit sportlicher Ambition
zu bieten, eröffnete Johann Scheuerer im August 1973 einen Bootsverleih. Das der Gastwirtschaft gegenüber liegende Ufer des Schwanensees bietet einen malerischen Einstieg in einen Seitenarm der Naab. Geübtere Ruderer können von hier bis Fronberg naabaufwärts ihre Kräfte messen. Ein kleiner Biergarten bietet zudem Erfrischung. Auch in den Wintermonaten bietet der Schwanensee seine Attraktion. Eisläufer und Eisstockschützen finden bei tiefen Temperaturen ihr Vergnügen. Dabei bot der Wirt in den 70ziger Jahren mit einem fahrbaren Würstlstand und mit Glühwein dem "Eisgast" seinen Service an.

Im Jahre 1985 erfolgte der bisher letzte Eigentümerwechsel. Theresia Scheuerer zog sich aufs Altenteil zurück und überließ
ihrem Sohn Johann das Anwesen. Seitdem beschäftigt er sich intensiv mit dem Handel mit Oldtimer Fahrzeugteile (Ersatzteile). Tel.: 09431/2657 Seine Sammlung ist von der Fachwelt geschätzt.

Heute befindet sich in dem Gebäude im Erdgeschoß unverändert die Gaststube mit jetzt 40 Sitzplätzen.

In der Mitte des Raumes steht ein Kachelofen. Die Küche und ein Wohnzimmer bilden das restliche Erdgeschoß. Aus dem Tanzsaal im Obergeschoß wurde ein  Materiallager. Vier Zimmer finden ebenso Platz im 1. Stock. Das Dachgeschoß ist nicht ausgebaut. Der Hauskeller liegt unter den WC-Anlagen und dem Eislagerturm.

Als Besonderheit bietet das Gebäude einen Höhepunkt. Links neben der Haustüre hat das Landesvermessungsamt einen Metallknopf angebracht. Dieser Punkt ist genau 355,74 Meter über dem Meer. Damit liegt Ettmannsdorf ca. 10 Meter tiefer als der Kirchturm von St. Jakob. Der dortige Höhepunkt wird mit 365 Meter angegeben.


Quellennachweis : http://www.weingärtner-schwandorf.de/Schwanenwirtshaus.html

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Die folgenden drei Bilder vom Januar 2018 wurden von

Gudrun Schwelle zur Verfügung gestellt.










 
   
 
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